Was ist das Gegenteil von Angst?

erstellt am: 09.01.2020 | Kategorie(n): Allgemein

Was ist das Gegenteil von Angst?

Man könnte sagen, es wäre Mut.

Was ist aber das Gegenstück von Angst?

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht? Ich verrate es Ihnen, es ist die Freiheit.

Wenn Sie unter Ängsten leiden, haben Sie vermutlich das Gefühl, Sie bräuchten mehr Schutz und Sicherheit. Und bei dem Streben nach Schutz und Sicherheit sinken Sie weiter in die Angst und verlieren Stück um Stück Ihre Freiheiten.

Es ist definitiv Freiheit, die Ihnen verloren geht und die Sie dringend bräuchten. Die Freiheit von Angst, Einschränkung und Leid.

Es ist ein tiefer Wunsch des Menschen frei und autonom zu sein. Wenn Sie die Entwicklung kleiner Kinder betrachten, können Sie dieses Bestreben sehen. C.G. Jung sprach von der Individuation, der Entwicklung und dem Wachsen eines Menschen. In der Enge ist Wachstum nicht möglich. Die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit hat Sie als Kind angetrieben, laufen und sprechen zu lernen, selbständig zu essen und vieles mehr.

 

 

Wenn heute Ängste für Sie ein Thema sind, können Sie sich fragen, wann Sie welchen Aspekt der Freiheit in Ihrem Leben verloren haben.

  • Durch eine Heirat? Die Gesellschaft erwartet, dass wir kurz vor und nach der Hochzeit wie auf Wolken wandeln, ist eine Heirat doch “der schönste Moment” im Leben. Viele empfinden die Heirat jedoch als Verlust von Freiheit, was ja auch stimmt. Hier ist Ehrlichkeit gefragt!
  • Durch die Geburt eines Kindes? Auch hier wandeln Glück und Einschränkung, Freude und Pflicht auf dem gleichen Pfad. Ein Kind verändert das Leben grundlegend, die Verantwortung für ein winziges Leben zu übernehmen, ist keine einfache Aufgabe.
  • Durch einen dominanten Partner? Der Grat zwischen Liebe und Leid, Hingabe und Abhängigkeit ist in so mancher Beziehung sehr schmal.

Diese Fragen ehrlich zu beantworten, ist schwer, da wir dazu erzogen wurden, glücklich verliebt und verheiratet zu sein und selbstverständlich glückliche Eltern sein zu haben. Tatsache ist, dass Heirat und Geburt eines Kindes ganz oben auf der Stressskala stehen. Um die äußere Fassade aufrecht zu erhalten, wird viel Energie verbraucht, die sich irgendwann erschöpft.

Lösen Sie sich von der Oberflächlichkeit der Betrachtung und seien Sie ehrlich zu sich selbst. Zu wem sonst?!

  • Sie können Freiheit verlieren an einem ungeliebten Arbeitsplatz, weil Ihnen die Arbeit nicht gefällt oder sinnlos erscheint. Sie verlieren die Freiheit, Sinnvolles zu tun, das Ihnen am Herzen liegt oder etwas, dass Ihren Stärken und Fähigkeiten entspricht.
  • Durch Krankheit. Sie verlieren körperliche Freiheit an die Krankheit. Sie fühlen sich körperlich durch die Krankheit in Ihrem Aktionsradius eingeschränkt.
  • Durch Enttäuschungen und Verletzungen. Sie sind nicht mehr frei in Ihrem Vertrauen, fallen mehr und mehr in Misstrauen gegenüber Menschen und der Welt, letztendlich auch sich selbst gegenüber. Die Welt ist für Sie dann kein sicherer Ort mehr, hier hat die Angst alle Möglichkeiten sich auszubreiten.
  • Durch Gewalt-oder Missbrauchserfahrung. Opfer von Gewalt sind ihrer Freiheit und der natürlichen Sicherheit ihres unversehrten Körpers beraubt. Sie erleben Bedrohung in Gedanken und Gefühlen täglich “flash backs”, auch wenn die Erlebnisse viele Jahre zurückliegen. (Traumatisierung)

Werden Sie sich dem persönlichen Mangel an Freiheit bewusst. Testen Sie doch mal, indem Sie mehrmals das Wort “Sicherheit” laut aussprechen und dem nachspüren. Sprechen Sie dann mal das Wort “Freiheit” aus. Wo entstehen eher Befürchtungen und wo fühlen Sie sich wohler und lebendiger?

 

Wir leben in Zeiten, in denen Konventionen mehr und mehr an Wichtigkeit und Zwang verlieren. Und das ist gut so! Warum sollten Sie so tun, als wären Sie glücklich, wenn Sie bedrückt sind. Warum sollten Sie so tun, als ob Ihnen Verletzungen nichts ausmachen, damit signalisieren Sie dem anderen nur, dass er Sie jederzeit wieder verletzen kann. Freiheit bedeutet auch, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Je mehr Sie sich der Oberflächlichkeit und Stumpfheit entziehen, umso näher kommen Sie sich selbst und damit den Auslösern Ihrer Ängste und Befürchtungen. Wagen Sie mehr Freiheit in Ihrem Leben und Ausdruck.

Sollten Sie unter schweren und traumatischen Erlebnissen leiden, nehmen Sie sich professionelle Hilfe zur Bearbeitung und Auflösung dieser Lasten.

 

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Schöne Gedanken, liebe Bettina, und schön dargelegt.

Viele Grüße,
Gerlinde.

Danke Dir, liebe Gerlinde!
Einige Ansätze, die einfach Klarheit bringen wollen.
LG Bettina

Guten Tag Bettina Baumann,
Friede durchwallt wie ein Strom mein Gemüte heißt die Strophe eines Liedes.
Dieses Gefühl überkam mich nachdem ich Ihrer Klopf Akupressur gesehen, gehört und mitgemacht hatte. Voll Dankbarkeit ist mein Herz.
Wunderbar.

Eine wunderbare Zeile, liebe Edeltraud.
Vielen Dank für diesen außerordentlichen Kommentar! LG Bettina

Ich wage das Wort Sicherheit nicht auszusprechen, habe ich sie doch nie kennengelernt. Es ist immer nur eine “meintliche”, vorgetäuschte Sicherheit. Sie umgibt uns im bürgerlichen Leben und wir wissen genau, wir sind nur einen Augenblick vor dem Abgrund, eine Sekunde davor alles zu verlieren. Keinen Halt im Leben zu kennen und sich immer “ausgeliefert” zu fühlen.

Freiheit, welch großes Wort. Gibt es überhaupt Freiheit. Wie fühlt sich Freiheit an, wenn man immer nur der Erfüllungsgehilfe für andere Leben war und doch keinerlei Halt und persönliche Feiheit kennt.

Liebe Christa,
Ihre Zeilen sprechen von vielen schlechten Erfahrungen. Tatsächlich gibt es die 100%ige Sicherheit nicht.
Wir leben alle im Risiko, es beginnt mit unserer Geburt und mit der Tatsache, dass wir sterblich sind.
Das Risiko, oder wie Sie es nennen, der Abgrund, ist das Leben.
Welchen Halt vermissen Sie? Gibt es wirklich keinen Bereich in Ihrem Leben, in dem Sie sich nicht ausgeliefert
fühlen?
Freiheit ist wirklich ein großes Wort und wenige Menschen sind wirklich frei. Freiheit könnte man sich schaffen,
indem man sich von der Bewertung und Erwartung anderer befreit. Der Weg ist nicht einfach, aber jeder Schritt
zählt. Sich als Erfüllungsgehilfe für andere nicht mehr zur Verfügung stellen und bei sich bleiben, sich selbst
treu sein.
Ich hoffe, Sie finden für sich einen Weg alte Verletzungen und Enttäuschungen zu heilen um wieder Zuversicht für
Ihr Leben zu schöpfen und damit Mut Ihr Leben zu wagen. LG Bettina