Vom Zwangsneuröschen zur Maschine

erstellt am: 13.04.2018 | Kategorie(n): Allgemein, ARTIKEL

In unserem Gesellschaftssystem aufzuwachsen ohne das ein oder andere Zwangsneuröschen zu entwickeln, ist fast unmöglich. Sollte es jemand unter Ihnen wirklich geschafft haben, kann ich ihn nur herzlichst beglückwünschen!

Wer mehr über die Entstehung von Zwängen und Perfektionismus wissen möchte, kann sich das Video (anklicken) ansehen.

Die anerzogenen, überzogenen Leistungsansprüche von Vater/Mutter/Schule bleiben der Treiber des erwachsenen Kindes nach Anerkennung.

All das und diverse andere gelebte Erfahrungen verpassen uns den Perfektionismus-Drall.

Die Zwangsneuröschen sind in unserer Gesellschaft so stark verankert, dass sie als Problem kaum auffallen. Der Mensch, der viel weiß, am besten bestätigt durch Zeugnisse, Diplome und entsprechende Titel, bekommt Respekt und Wertschätzung. Der Hilfsbereite bekommt einen feuchten Händedruck, der Mensch mit einer hohen Sozialkompetenz ist wenigstens unter Freunden beliebt, der Mensch, der viel fühlt, wird eher bemitleidet und als schwach empfunden, weil er „nicht richtig denken“ kann. Das ist die Welt in der wir leben.

Der Zwang überhöhten Leistungsansprüchen nachzueifern, ist ein gedanklicher Prozess, der durch ein einziges Gefühl befeuert wird: der Angst -nicht zu genügen-es nicht zu schaffen-Verlust von Geld-Macht-Wertschätzung-Liebe etc.

Das Zwangsneuröschen hat noch einen gewissen Charme und gibt dem Menschen in seinem innerlichen Druck  nach Erfüllung von Erwartungen ein sehr „fleißiges, verantwortungsvolles und bemühtes Aussehen“, speziell für Menschen, die in Erwartungshaltung stehen.

In der Zwangsstörung zeigt sich ein erheblich drastischeres Bild. Die ausgeprägte Zwangsstörung ist psychotherapeutisch gesehen eine echt harte Nuss. Selbst die Medikation stößt nicht selten an ihre Grenzen.

Der Mensch gleicht einer Maschine, die ständig gedankliche Vorgänge produziert und reproduziert.

Bildlich gesprochen könnte das so aussehen:

Sie blicken in den Spiegel und sehen sich. Bis hierher ist das gut und völlig in Ordnung. Das entspricht der Reflexion. Was sehe ich, wenn ich mich betrachte? Wie wirke ich auf mich und wie wirkt mein Verhalten auf die Umwelt? Zwanghaftes Denken stellt hinter Ihnen noch einen Spiegel auf, sie sehen die Reflexion Ihres Spiegelbildes. Ein weiterer Spiegel gegenüber spiegelt die Reflexion der Reflexion. Und dieses Spiel geht weiter und weiter. Spätestens nach den zweiten Spiegelung ist Ihr Selbstbild – die Wirklichkeit – verzerrt und verzogen.

Diese Verläufe enden in dysfunktionalen, irrationalen Gedanken und Annahmen, die der Realität und der Intelligenz des Menschen nicht entsprechen. Und letztendlich in tiefen Selbstzweifeln.

Zwanghaftes Denken=das ständige Drehen und Wenden der Gedanken bis sie weniger angstvoll und bedrohlich erscheinen.

 

Unser Verstand ist die zuständige Instanz in uns um Lösungen zu finden. Doch im zwanghaften Modus wird diese Fähigkeit lahmgelegt. Die immer gleichen Gedanken drehen sich im Kreis und finden keine Lösung.

Es ist geradezu beeindruckend zu sehen, dass Betroffene ihre Ängste offenbar nicht wahrnehmen. Die rotieren im Hintergrund, während der bewusste Verstand mit zwanghaften Gedanken völlig ausgelastet ist.

Vielleicht kennen Sie den Film von Fritz Lang aus dem Jahr 1927, “ Metropolis“ ist ein Kultfilm und zeigt eine versklavte Menschheit, die stumpfsinnig unter Tage malocht. Die mit leeren Blicken, stereotypen und verlangsamten Bewegungen, emotionslos Befehle empfängt und ausführt. Viele Science Fictions bedienten im Laufe der Jahre diese Thematik. Der seelen-und emotionslose Mensch, der zur Maschine mutiert.

Auf beklemmende Weise zeigt der Film auf, dass das Ende der Menschheit nicht erst dann eintritt, wenn unser Planet verstrahlt in Schutt und Asche liegt, sondern dann, wenn der Mensch seiner Spezies nicht mehr gleicht. (Den Film, der später mit der Musik von „Queen“ vertont wurde, können Sie bei Youtube ansehen.)

Wenn ich beobachte, wie viele Menschen ihr Leben denken, statt leben, dabei hohe Einbußen ihres menschlichen Daseins in Kauf nehmen -wie den Zugang zu ihrer Gefühlswelt, Mitgefühl mit sich und anderen, die Entfremdung zum eigenen Selbst und zur Natur, psychische und physische Gesundheit, Spontanität und Lebendigkeit, das Negieren von Intuition und Anbindung an höhere Energien -, erinnere ich mich an die Bilder aus dem Film.

Wissen ist wichtig und intelligente Lösungen braucht der Mensch, die Menschheit und der Planet dringend.

Trotzdem sind eiserne Konzepte und starre Strategien, emotionslose, destruktive Überzeugungen, die für das Leben keine Lösung bieten, nur Mechanismen, die uns noch tiefer in unsere Versagens-und Lebensängste verstricken.

Sie könnten mal vom 5. auf den 4. Gang herunterschalten und die Landschaft um sich herum wahrnehmen. Ja, da ist sehr viel! Indem Sie mit Höchstgeschwindigkeit vorbeirauschen, entgeht Ihnen die Betrachtung von Landschaft und Schönheit, aber auch die Menschen auf Ihrem Weg, der Ihr Leben ist.

Arbeiten Sie diesen Entwicklungen entgegen, weichen Sie verhärtete Gedanken-und Verhaltensmuster auf! Es fühlt sich wunderbar an, mal flexibel in einer Situation zu stehen und sich anders zu verhalten. Eben mal lachen, statt weinen – oder umgekehrt. Spontan nicht die kühl durchdachte Entscheidung zu treffen, sondern die, die mehr Spaß macht. Welches Gefühl möchten Sie mal wieder spüren und wie könnten Sie es bekommen?

Auf Spontanität und Flexibilität, das Zulassen eines Gefühls/Impulses reagiert Ihr Gehirn sofort mit der Ausschüttung von Dopamin – Sie werden begeistert sein!!! Übungsbeginn noch heute.

Lösungsorientiert-Energetisch-Spirituell

Kommentar verfassen