Das ungeliebte Kind-Selbstablehnung

erstellt am: 16.11.2016 | Kategorie(n): ARTIKEL

 

 

p1060311Es ist das Schicksal vieler heute erwachsener Menschen. Sie wurden als Kind von ihren Eltern nicht geliebt. Interessant ist, dass es oft ein Elternteil war, das lieblos, gemein oder sogar aggressiv war. Das andere Elternteil war wohl emotionaler und für das Kind nahbarer, aber sehr schwach. Es konnte die Lieblosigkeit des Gegenparts wenig kompensieren.

Manche Menschen glauben, sie hätten die Erkenntnis, nicht geliebt worden zu sein, irgendwann gewonnen.

Das müsste man umformulieren: die Tatsache gelangte irgendwann ins Bewusstsein.

Denn die Lieblosigkeit haben Sie schon als Säugling wahrgenommen. Wir alle brauchen in der frühen und späten Kindheit ein Gegenüber um uns entwickeln zu können. Ohne dieses Vorbild-Spiegel ist Entwicklung nicht möglich. Ist dieses Gegenüber freundlich und liebevoll, kommt der Säugling zu dem Schluss: „Ich bin ok“. Ist dieser versorgende Kontakt laut, grob und vernachlässigend, heißt der Schluss: „Ich bin nicht ok“.

Schon hier beginnt die Entwicklung des ablehnenden Selbst und „Selbst“ heißt immer die gesamte Persönlichkeit:

Die Ablehnung von Gefühlen „Du hast keinen Grund traurig zu sein!“,

Körpergefühlen „Dir ist nicht schlecht, das bildest Du Dir nur ein!“,

Verhalten „Das macht man nicht! Du machst nichts richtig!“,

Wesensart, Charakterzügen „Du bist völlig aus der Art geschlagen, passt nicht in unsere Familie!“ etc.

Meine Mutter war ein emotionaler Kühlschrank, das hatte ich schon sehr früh begriffen, doch wie stark die Selbstablehnung (Bezugsperson lehnt mich ab = ich lehne mich ab) in mir agierte, wurde mir erst viel später bewusst.

An dieser Stelle möchte ich der Ablehnung des eigenen Daseins alle Aufmerksamkeit schenken. Der Frage, warum Ihre Eltern Sie nicht lieben konnten, möchte ich hier keinen Raum geben, weil es mit größter Wahrscheinlichkeit nichts mit Ihnen zu tun hat, sondern mit Ihren Eltern.

 

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Stellen Sie sich vor, Sie als Kind ohne eigene Lebenserfahrung, ohne Vergleichsmöglichkeit und all diese Angriffe auf Ihre Kinderseele. Und immer gingen Sie davon aus, dass die Eltern recht hatten. Die ersten Zweifel kamen viel später.

Seitdem sind viele Jahre vergangen, Sie haben wahrscheinlich Ihr Elternhaus längst verlassen. Und weil man das destruktive Selbstbild leider nicht wie einen Koffer zuhause stehen lassen kann, haben Sie es mitgenommen.

Die Selbstablehnung hat einen langen Rattenschwanz: Gefühle von Minderwertigkeit, die Überzeugung nichts Gutes verdient zu haben, nicht liebenswert zu sein bis hin zu selbst schädigenden Tendenzen. Der erste Schritt ist es, nachzuspüren und das Gespenst ins Licht der Bewusstheit zu holen. Hier können Sie das hässliche Ding ausgiebig betrachten. Seien Sie behutsam und mitfühlend mit sich selbst!

Nun ist es nicht möglich, die Liebe, die Sie als Kind entbehren mussten, als Erwachsener nachzuholen. Die kindlichen Entwicklungsphasen sind abgeschlossen. Die liebevollen Beziehungen, die wir heute führen, halten uns im Leben, machen es erfüllter und geben Sinn. Und dennoch können Sie dieses alte Loch nicht stopfen. Die Heilung ist die Selbstliebe und Akzeptanz.

Punkt WPZweiter Schritt: Stoppen Sie: Ihr Selbst mit überzogener Selbstkritik kasteien, sich selbst verhöhnen und verspotten, sich lächerlich machen. Sich als hässlich erklären-Hässlich innen und außen. Sich selbst den Dummkopf und Versager nennen und damit jede Ihrer Stärken verleugnen. Von sich selbst nichts als Höchstleistungen zu fordern ohne jegliche Achtsamkeit auf körperliche, mentale und emotionale Grenzen. Sich selbst als unmoralisch und damit menschlich verwerflich bezeichnen. Bis hin zu Selbstverletzung durch Süchte und Substanzen. Der Seele, die auf Entfaltung drängt, ein Gefängnis aus Verboten, Glaubenssätzen, Selbstverstümmelung und Tabus bauen.

Im dritten Schritt können Sie ein Kinderfoto (oder gedankliches Bild) von sich betrachten.

Was sehen Sie? Sind das noch Sie? Die Augen, die Sie da anblicken, sind es die gleichen, mit denen Sie heute in die Welt sehen? Allein biologisch gesprochen, können Sie das nicht mehr sein, weil sich unsere Zellen alle sieben Jahre erneuern. Sie haben diesen Prozess schon mehrfach durchlaufen. Haben durch Ihre Reife und Entwicklung mentale und emotionale Erfahrungen gemacht. Sie sind heute von anderen Menschen, Eindrücken und Einflüssen umgeben. Sie haben gelernt, Entscheidungen zu treffen. All das kannte das Kind nicht.

Allein Ihre Erinnerung an die lieblose Kindheit, erhält das lieblose Gefühl aufrecht. 

Es geht nicht darum, die eigene Biographie zu verleugnen oder zu vergessen. Im Gegenteil, schenken Sie Ihrem kindlichen Erleben Ihr ganz persönliches Mitgefühl. Warten Sie nicht auf das Mitgefühl von außen! Erheben Sie sich dann aus der 100%igen Identifikation mit dem Kind und kommen an im Hier und Jetzt. Es ist immer hier und jetzt! Und Sie sind kein Kind mehr, Sie sind erwachsen.

expressionGreifen Sie die öffnende Chance dem Kind zu entwachsen in ein reifes, kreatives, schöpfendes, stabiles, selbstbestimmtes und harmonisches Leben. Durch Selbstakzeptanz.

An dieser Stelle verrate ich Ihnen noch ein Geheimnis:

Wenn Sie sich wahrhaft lieben oder wenigsten mögen, bleibt dem Rest der Welt nichts anderes übrig, als Sie auch zu mögen.

Entscheiden Sie, wo in Ihrer Selbstakzeptanz Sie ansetzen wollen. Spüren Sie nach, welche Affirmation gerade in Resonanz mit Ihrem Körper und Seele geht. Nehmen Sie diesen Satz mit, in Ihre Gedanken und Gefühle, in körperliche Wahrnehmung, in Ihren Tag und die Nacht. Sie haben es verdient!

 

Ich umarme mein inneres Kind und schenke ihm Liebe und Aufmerksamkeit.
Ich wertschätze meine Biographie ohne mich damit zu identifizieren.
Mit erwachsenen Augen blicke ich auf das Gespenst meiner Kindheit, furchtlos. (Was Sie als Kind erschreckt hat, hat heute wenig oder keine Wirkung mehr)
Mit einem Flügelschlag verwandle ich mein disharmonisches Selbst in Harmonie.
Mein Selbstbild ist eine Fehlinterpretation, ich habe den Mut zur Korrektur.
Zynismus ist mein ärgster Feind, wahrer Humor lässt mein Herz lachen.
Weitere Affirmationen zu dem Thema finden Sie  unter Affirmationen A-Zp1060298
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