Enttäuschung-Frustration-Resignation

erstellt am: 14.10.2015 | Kategorie(n): ARTIKEL

P1000876Enttäuschung ist ein Gefühl, das nicht so leicht zu finden ist.

Ähnlich dem Schamgefühl, das sich sehr gut verstecken kann und hinter sich viele andere Gefühle verbirgt. Die Scham kommt nie alleine.

Die Enttäuschung ist deshalb schwer zu finden, weil sie am Beginn einer Reaktionskette steht. Am Ende steht die Resignation. Dort ist die Enttäuschung nicht mehr spürbar.

Können Sie sich erinnern, wie enttäuscht Sie waren, wenn nicht das richtige Geschenk unter dem Weihnachtsbaum lag? Vielleicht haben Sie sich eine ganz bestimmte Puppe, das neuste Computerspiel oder ein Spielzeugauto in ferrarirot gewünscht und dann lag da irgendetwas, vielleicht Ähnliches, aber eben nicht Ihr Herzenswunsch. Oder Ihr/e beste/r Freund/in hatte sich ein/e neue/n beste/n Freund/in gesucht und Sie abserviert wie eine leere Dose Cola. Sicher haben Sie die Enttäuschung damals intensiv erlebt und heiße Tränen geweint, brauchten Trost und Zuwendung um die Enttäuschung zu überwinden.

Enttäuschung ist ein „heißes“ Gefühl, es kommt schnell und spontan als Reaktion auf das Ereignis. Und wie es die Funktion von Gefühlen nun mal ist, durch das Spüren und Durchleben, löst es sich auf.

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Das kann mal kürzer oder länger dauern. Oft wird leichter der Schmerz gespürt, der die Enttäuschung auslöst. Wie ein Stich ins Herz oder ein Stoß vor die Brust.

Sicher sind viele Eltern genervt von dem enttäuschten Geschrei ihrer Kinder und dann kommt, was kommen muss, die Erziehung: „Was Du auch immer erwartest! Alles willst Du haben! Andere haben nichts! Wer glaubst du, wer du bist?“ Jetzt schämt sich das Kind und ist ruhig. Irgendwann wird es vorsichtiger damit, seine Enttäuschung zu zeigen. Muss es doch erwarten, dass es wieder beschämt wird.

Natürlich gibt es viele Möglichkeiten enttäuscht zu werden. Die Schule ist z.B. ein geeigneter Ort, um häufig enttäuscht zu werden. Wieder haben die Leistungen nicht für eine gute Note gereicht, obwohl Sie sich redlich bemüht haben.

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Während Mütter dazu neigen, ihre persönliche Gefühlswelt über die Kinder stülpen, sind es doch eher die Väter, die der Anlass für Enttäuschung sind. Ich habe lange überlegt, wie ich es formulieren soll, damit es nicht so vorurteilshaft klingt. Leider kann ich es nicht anders ausdrücken.

Töchter wünschen sich sehnlichst, vom Vater endlich gesehen und wahrgenommen zu werden und Söhne warten darauf, vom Vater ein anerkennendes Wort, Lob oder Schulterklopfen zu bekommen. Und so warten sie bis zum Ende aller Tage vergebens.

Von den Kindern, deren Väter die Familie verlassen und ihre Kinder schlichtweg „vergessen“ haben, ganz zu schweigen.

Kinder sind ausdauernd, sie bemühen sie lange um Aufmerksamkeit ihrer Bezugsperson. Doch irgendwann gehen sie in Frustration. An dieser Stelle könnte ich unzählige Beispiele von Klienten setzen, die sich ihre Kindheit lang um die alkoholkranke und/oder depressive Mutter oder den emotionslosen, leistungsbezogenen, zwangsneurotischen Vater bemühten, ohne Erfolg.

Frustration bedeutet, gelernt zu haben:

Egal, was ich tue, ich erreiche nichts.

Schon die Frustration ist kein heißes Gefühl mehr, das kommt und wieder geht. Dieses Gefühl ist erkaltet und beständiger. Aber noch spürbar und kann benannt werden. In der Frustration werden Auslöser noch beklagt. Leider reicht es im Leben nicht, sich zu beklagen, damit lösen wir unsere Probleme nicht. Der Frustrierte bleibt beim Klagen, weil er ja überzeugt ist, dass er nichts erreicht, egal, was er tut.

Die Frustration wird oft als ein bitteres, schales, zusammenziehendes Gefühl beschrieben.

Ohne Gegenmaßnahmen fährt die Frustration wehrlos in die Resignation. Und die ist eiskalt. Die Resignation ist eine Lebenseinstellung, ein dauerhaftes Grundrauschen, wie ein penetranter Tinitus. Hier wird nicht mehr geklagt, sondern nur noch festgestellt:

  • Das ist zwar nicht gut, aber da kann man nichts machen.
  • Ich habe kein Glück, mir passiert eben nur Schlechtes.
  • Ich habe gleich gewusst, dass auch dieser Partner nicht bleibt.
  • Mein Chef/in behandelt mich schlecht, aber er/sie sitzt am längeren Hebel.
  • Auf die Frage: „wie gehts?“, die Antwort: „es muss gehen.“
  • Ich muss mit den Schmerzen leben. (Der Körper geht mit in die Resignation)
  • Ich habe noch nie im Lotto gewonnen. (Und vielleicht nie gespielt)

Kommen Ihnen die Sätze bekannt vor? Hoffentlich von anderen! Falls einer der Sätze Teil Ihres Sprachgebrauchs ist, suchen Sie sich einen positiveren Ersatz!!

Diesen Artikel bis hierher zu schreiben, hat wenig Spaß gemacht. Deshalb kommen wir jetzt zum positiven Teil.

Völlig egal, wer Sie dauerhaft enttäuscht hat, ob es die unaufmerksame, unsensible Mutter oder der akribische Vater war, dem Sie nichts recht machen konnten (der auf langweilige Weise sein eigenes Aufwachsen wiederholte) oder eine demotivierte Lehrkraft im Rahmen ihrer Möglichkeiten:

Die Meinung dieser Menschen über Sie, ist nicht Ihr Schicksal. 

P1000092Warum auch immer Ihre Eltern nicht in der Lage waren, Sie so anzunehmen wie Sie sind, Ihre kindlichen Bedürfnisse nach Liebe, Wärme und Nähe zu stillen, es hat wahrscheinlich mit Ihnen selbst nicht viel zu tun. Es liegt in der Biographie Ihrer Eltern. Wir sind Wiederholungstäter, wenn wir den Zwang nicht unterbrechen.

Auch, wenn Sie oft das Gefühl haben, dass Sie mit Ihrem Tun nichts erreichen. Ich fürchte, jeder steht von Zeit zu Zeit in diesem Gefühl. Damit sind Sie nicht allein.

Hören Sie nicht auf zu tun! Geben Sie weder Frustration noch Resignation eine Chance!

Heben Sie Ihre Frustrationsgrenze, indem Sie akzeptieren, wenn Sie mal mit Ihren Bemühungen ins Leere laufen. Vielleicht wagen Sie es mal wieder, nach einer gefühlten Ewigkeit, Ihre Enttäuschung zu zeigen, auszudrücken: „Ich bin enttäuscht, ich habe mehr oder anderes erwartet!“ Ziehen Sie die Mundwinkel nach unten und schieben Sie die Unterlippe nach vorne.

😉 Therapie, Selbsterfahrung und menschliche Entwicklung müssen nicht bierernst sein. Spielen Sie doch mal kindliche Enttäuschung:

Erinnern Sie sich, Sie kamen als Kind hungrig nach Hause und statt der versprochenen Lieblingsspeise stand etwas auf dem Tisch, was Sie nicht ausstehen konnten.

P1000398Es tut gut, der Enttäuschung Ausdruck zu geben und es fühlt sich echt und lebendig an. Der Umgang mit resignierten Menschen ist anstrengend, sie ziehen ihrem Gegenüber die Energie ab, die ihnen selbst fehlt. Sicher möchten Sie nicht so sein. Außerdem machen Frust und Resignation die Haut fahl und faltig, was ja auch keiner will!

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