Rückkehr

erstellt am: 20.03.2015 | Kategorie(n): GESCHICHTEN

Im Wagen bin ich unterwegs, er fährt mich, bringt mich dem Ziel entgegen. Der Wagen transportiert meinen Körper, meine Gefühle und meine Seele. Die Reise führt in die Tiefe, ich spüre es genau.

Ohne Gefühl, ganz taub und gleichgültig, ganz wie ich es gewohnt bin, mit mir umzugehen, trat ich die Reise an. Ich kehre zurück. Zehn Jahre sind vergangen, wie nichts. Ein Wimpernschlag der Ewigkeit. Zehn Jahre ohne Erinnerung, sinnlos und leer, eine Illusion. Jetzt muss ich die Distanz der Jahre überwinden. Mache den Weg zurück in der Zeit. Ich bin ein Zeitreisender, einmal unterwegs, gibt es kein Zurück.

Der Mond wirft sein bleiches Licht vor mir auf den schwarzen Asphalt, macht ihn grau und fahl. Das ist der Weg, mein Weg, der vor mir liegt. Der Wagen bewegt meine verletzte Seele und ich habe Angst vor der Nacht. Der Weg zurück kostet Kraft.

Ich beginne mich zu erinnern, an alles, was schon vergessen war. Erinnerungen treffen mich mit voller Wucht, sie sind bitter und süß und schwer, sie nehmen mir fast den Atem. Das Erinnern schmerzt so sehr. Doch das Vergessen scheint wie ein dunkler Fleck auf meinem Körper, der mich frisst, sich von mir ernährt. So kehre ich zurück an den Ort, an dem alles begann.

Ich folge dem stummen Ruf, der mich ängstigt und doch muss ich weiterfahren, als hinge das Glück meines Herzens davon ab. Die Reise in die Vergangenheit, meine Rückkehr. Schon erkenne ich die Landschaft, die Hügel und Felder, die im Dunkel liegen. Auch blind würde ich sie erkennen.

Der Anblick weckt Sehnsucht in mir, ohne es zu wissen, war immer Sehnsucht in mir. Der Geschmack auf meiner Zunge, schmeckt nach Zuhause. Ich bin krank vor Heimweh wie ein Kind, das sich nach der Mutter sehnt.

Und nichts macht mir mehr Angst, als meine Mutter zu treffen und ihr in die Augen zu schauen. Jetzt ist nichts mehr taub in mir. Ein nächtlicher Sturm wirbelt durch mein Herz und reißt die Mauern aus Stein ein. Ich fahre weiter, weil es mein Herz verlangt.

Schmerz und Angst begleiten sind noch bei mir, doch sie halten mich nicht auf. Die Reise aus der Ohnmacht, der Illusion und des Vergessens. Die Sehnsucht nach Leben ist größer.

 

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Der Text ist inspiriert von dem Lied „Volver“

 

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