Was ist das Gegenteil von Angst?

erstellt am: 01.07.2014 | Kategorie(n): ARTIKEL

Was ist das Gegenteil von Angst?

Man könnte sagen, es wäre Mut.   Mut Kampf

Was ist das Gegenstück von Angst?

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht? Ich verrate es Ihnen, es ist die FREIHEITFreiheit

Wenn Sie unter Ängsten leiden, haben Sie vermutlich das Gefühl, Sie bräuchten mehr Schutz und Sicherheit. Und bei dem Streben nach Schutz und Sicherheit sinken Sie weiter in die Angst.

Es ist definitiv Freiheit, die Sie verloren haben und die Sie dringend brauchen. Die Freiheit von Angst, Einschränkungen und Leid.

Es ist ein tiefer Wunsch des Menschen frei und autonom zu sein. Wenn Sie die Entwicklung kleiner Kinder betrachten, können Sie dieses Bestreben deutlich sehen. C.G. Jung sprach von der Individuation, der Entwicklung und dem Wachsen eines Menschen. In der Enge ist Wachstum nicht möglich. Der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit hat Sie als Kind angetrieben, laufen zu lernen, selbständig zu essen und viele andere Entwicklungsschritte zu tun.

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Wenn heute Ängste für Sie ein Problem sind, können Sie sich fragen, wann Sie welchen Aspekt der Freiheit in Ihrem Leben verloren haben.

  • Durch eine Heirat? Die Gesellschaft erwartet, dass wir kurz vor und nach der Hochzeit wie auf Wolken wandeln, ist eine Heirat der „schönste Moment“ im Leben. Viele empfinden die Heirat jedoch als Verlust von Freiheit, was in einigen Bereichen ja auch stimmt. Hier ist Ehrlichkeit gefragt!
  • Durch die Geburt eines Kindes? Auch hier gehen Glück und Einschränkung auf dem gleichen Pfad. Ein Kind verändert das Leben grundlegend, die Verantwortung für ein Leben zu übernehmen, ist keine einfache Aufgabe.
  • Durch einen dominanten Partner? Der Grat zwischen Liebe und Leid ist in manchen Beziehungen sehr schmal.

Diese Fragen ehrlich zu beantworten, ist sehr schwer, da wir dazu erzogen wurden, glücklich verliebt und verheiratet zu sein und selbstverständlich glückliche Eltern zu sein haben. Tatsache ist, dass Heirat und Geburt eines Kindes ganz oben auf der Stressskala stehen. Um die äußere Fassade aufrecht zu erhalten, wird sehr viel Energie verbraucht, die sich irgendwann erschöpft.

Lösen Sie sich von der Oberflächlichkeit der Betrachtung und seien Sie ehrlich zu sich selbst. Zu wem wollen Sie ehrlich sein, wenn nicht zu sich selbst.

  • Sie können Freiheit verlieren an einem ungeliebten Arbeitsplatz, weil Ihnen die Arbeit nicht gefällt und sinnlos erscheint. Sie verlieren die Freiheit, Sinnvolles zu tun oder etwas, dass Ihren Stärken und Fähigkeiten entspricht.
  • Durch Krankheit. Sie verlieren körperliche Freiheit an die Krankheit. Körperlich schränkt die Krankheit Ihre Möglichkeiten und Ihren Aktionsradius ein.
  • Durch Enttäuschungen und Verletzungen. Sie sind nicht mehr frei in Ihrem Vertrauen, fallen mehr und mehr in Misstrauen gegenüber einzelnen Menschen und der ganzen Welt. Diese Welt ist für Sie kein sicherer Ort mehr, hier hat die Angst alle Möglichkeiten sich auszubreiten.
  • Durch Gewalt-oder Missbrauchserfahrung. Gewalt-und Missbrauchsopfer sind ihrer Freiheit beraubt. Sie erleben die Bedrohung in Gedanken und Emotion täglich, auch wenn die Erlebnisse viele Jahre zurückliegen (Traumatisierung).

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Überdenken Sie den persönlichen Mangel an Freiheit. Sie können einfach mal testen, indem Sie das Wort „Sicherheit“ mehrmals aussprechen und in sich spüren, was sich bewegt. Und das gleiche mit dem Wort „Freiheit“ machen. Wo spüren Sie Angst oder wo fühlen Sie sich wohler und lebendiger?

Wir leben in einer Zeit, in der Konventionen mehr und mehr an Wichtigkeit und Zwang verlieren. Und das ist gut so. Warum sollten Sie so tun, als wären Sie glücklich, wenn Sie unglücklich sind. Warum sollten Sie so tun, als ob Ihnen Verletzungen nichts ausmachen, damit signalisieren Sie dem anderen nur, dass er jederzeit wieder verletzen kann. Freiheit bedeutet auch, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Je mehr Sie sich der Oberflächlichkeit entziehen, umso näher kommen Sie sich selbst und damit den Auslösern Ihrer Ängste. Lassen Sie mehr Freiheit in Ihr Leben, öffnen Sie die Tür des Käfigs Ihrer Angst.

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Sollten Sie unter schweren und traumatischen Erlebnissen leiden, suchen Sie therapeutische Hilfe, um diese professionell zu bearbeiten.

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Liebe Bettina, vielen Dank für diese Sichtweise. Das ist sehr interessant. Im Moment, wo ich die Tür des Käfigs der Angst geöffnet habe, in dem ich mich ganz auf die Angst eingelassen habe, ohne mich dabei darin selbst zu verlieren, ist die Angst mich in ihrer ganzen Heftigkeit überkommen. Seelisch, geistig und körperlich hat sie mich in ihrer Ganzheit erfasst und ich habe geweint und gelacht. Ich hatte plötzlich keine Angst mehr vor dieser Angst! Im Gegenteil, ich habe mich ihr zugewendet und zu ihr gesagt: Ich liebe Dich!…und in dem Moment war ich befreit, befreit von der Idee, wenn ich das eine bin, das andere nicht zu sein. Ganz egal wie das Gegenteil von Angst genannt wird, ob Freiheit, ob Mut, ob Zuversicht. Ich vereine beides in mir. Solange es in mir gegeneinander ausgespielt wurde in der Idee „ich“ zu sein, die es erlebt, „ich“ zu sein, die es korrigieren, steuern, verbessern muss, solange erscheint es als persönlich. Losgelöst von der Idee, dieses „ich“ zu sein, das alles zu wissen scheint, wie und warum etwas sein sollte oder nicht, ist es einfach eine Erfahrung. Und in dem Moment zu fühlen wie grossartig diese Idee ist, Menschsein zu wollen, und sich zu erleben in allen möglichen Varianten begeistert mich unendlich! Ich fühle wie es plötzlich so gar keine Rolle mehr spielt ob ich etwas persönlich oder unpersönlich, ob ich etwas in der Idee getrennt von allem zu sein, oder in der Idee, eins zu sein mit allem erlebe. Das wofür ich hier bin, das was mich hierher gebracht hat, ist die Lust auf das Leben selbst und das jetzt grad tief in mir zu spüren, öffnet einen Spielraum, der unendlich ist, einen Spielraum wo noch nichts geschrieben steht, weil es noch nicht erlebt wurde, einen Spielraum voller Möglichkeiten, einen Spielraum wo es ums Spielen geht und um sonst nichts. Und in mir jauchzt es, ich fühle mich erinnert an meine Kindheit, an all die Momente wo das Entdecken selbst im Vordergrund stand und nicht das, was mit dem Entdecken erreicht werden kann. Und es kommt mir vor, als ob ich einen schweren Mantel abgeworfen habe, der erwachsen werden heisst. Der vorgibt, ein kleines Kind ist noch nichts, weiss noch nichts, muss zuerst zu etwas werden. Unter diesem Mantel erwachsen Regeln, Glaubenssätze, Moralvorstellungen, persönliche Idealvorstellungen von sich selbst und der Welt. Und so rufe ich es laut heraus: Mensch, wirf deinen Mantel ab und zeig dich nackt, nackt in deiner ganzen Vollkommenheit und spiel mit mir dieses phantastische Spiel ein Mensch zu sein!

Wow, Melissa, Du beschreibst hier einen echten Quantensprung in Deinem Bewusstsein!! Du sprichst über den Kampf gegen die Angst, der Dich an die Angst gebunden hat. Der es beinahe geschafft hätte, Dich mit Deiner Angst zu identifizieren. Du hast den Vorgang erkannt und den Kampf beendet und bist in Heilung getreten. Das ist wirklich beeindruckend.

Manchmal ist es ein Impuls zum richtigen Moment, der uns weiterbringt. Sicher warst Du, entschuldige den Ausdruck, „überreif“ für diesen Schritt. Menschen, die in ihrer Problematik „überreif“ sind, brauchen nicht viel Input. Es ist, als würde der überreife Apfel endlich vom Baum fallen.

Du kannst Deine inneren Vorgänge sehr gut formulieren. Es ist hochinteressant, wenn Du vom Mantel der Angst sprichst, unter dem sich das angeblich kleine Kind regelrecht versteckt und sein Leben unter Glaubenssätzen und Moralvorstellungen lebt (die ihm ja gar nicht gehören). Melissa, Du bist dem Mantel er-ent-wachsen. Das ist wundervoll!

Alles, was Du beschreibst, klingt sehr erfüllend und freudig. Danke, dass Du Dein Empfinden hier mit mir und meinen Lesern teilst. Danke, für Deine Offenheit und Deine Bereitschaft zu wachsen.
Ich wünsche Dir alles Liebe für Dein befreites Leben! LG Bettina