Dissoziation-Verlorene Seelenanteile

erstellt am: 16.04.2014 | Kategorie(n): ARTIKEL, Dissoziation-Verlorene Seelenanteile

SAM_0066In mehreren Artikeln habe ich schon den Vorgang der Dissoziation angesprochen. In meiner therapeutischen Arbeit zeigt sich dieser Vorgang häufig und zwar in allen Formen von Störungsbildern. Die Auswirkungen daraus sind tiefgreifender und weittragender, als ich anfangs annahm.

Was ist Dissoziation?

Dissoziation ist ein Abwehrmechanismus. Erlebt ein Mensch eine erschreckende, schmerzhafte Situation, spaltet er dieses Erlebnis mit all seinen heftigen, negativen Gefühlen, oft auch den körperlichen Schmerz und die dazugehörige Erinnerung ganz oder teilweise ab. Ein Trauma ist entstanden. Sie können in der Dissoziation eine Art Schutzschaltung der Psyche erkennen. Der abgespaltene, seelische Schmerz ist für den Betroffenen weniger spürbar. Nur wirft der dissoziative Zustand auf Dauer viele Symptome auf.

Symptome der Dissoziation

Betroffene leben in einem stumpfen, gleichgültigen Gemütszustand. Sie neigen zu Verstimmungen, Zwängen und Süchten (sie suchen).  Die mit der Abspaltung abhanden gekommen Energie macht sie dauermüde und freudlos. Sie haben das Gefühl am Leben nicht richtig beteiligt zu sein, neben sich zu stehen.

Verschiedene Begriffe mit gleicher Bedeutung

In schamanischen Praktiken der indigenen Völker spricht man von verlorenen Seelenanteilen, was den gleichen Vorgang beschreibt. In der Hypnotherapie werden „latente Programme“ bearbeitet, die sich in Schockzuständen einschleichen und manifestieren.

Die Erkenntnis aus der praktischen therapeutischen Arbeit ist, dass wir sehr häufig dissoziieren. Als typische Auslöser eines Traumas werden Gewalterfahrungen, Missbrauch oder schwere Erkrankungen benannt. In Wirklichkeit verlieren wir Seelenanteile auch in weniger schweren Erlebnissen:

  • Verletzungen, Beleidigungen, Mobbing
  • Trennung/Vertrauensbruch von Partner oder Freunden
  • Schul-Arbeitsplatz-Wohnortwechsel
  • Krankheits-und Todesfälle im näheren Kreis
  • vor allem aber in der Kindheit.

Bereits Verletzungen verbaler Art können einen kleinen Schockzustand auslösen. Unser Kontrollsystem ist für kurze Zeit nicht funktionsfähig und es fließt Information ungehindert ein. Angstvolle Erlebnisse aus der Kindheit hinterlassen tiefe Eindrücke. Der erwachsene Mensch belächelt diese Erinnerungen und vergisst dabei, dass das kindliche Ich in größter Angst war und dort Gefühle abgespalten hat. Oder anders ausgedrückt, die Angst wurde im Zellgedächtnis gespeichert.

Seelenanteile können in alltäglichen Situationen verloren gehen und nicht nur in extremen Erlebnissen.

In der EFT (Klopfakupressur) sucht man nach solchen Auslösesituationen: Special events. Im Vorgang des Matrix Reprints wird der Klient zurück in die auslösende Szene geführt und begegnet dort dem kindlichen Selbst. Der Vergangenheit wird so zu sagen mit einem neuen Stempel versehen oder für mich besser ausgedrückt, die negativen Gefühle aus der kritischen Situation werden entladen und verlieren im gegenwärtigen Leben ihre Wirkung.

Vor allem in angstvollen Ereignissen der Kindheit bleiben wichtige Seelenanteile hängen, die in der gegenwärtigen Lebensführung fehlen.

In der Sitzung mit einer 40-jährigen Frau durchliefen wir eine Situation, die die Klientin als Jugendliche erlebte. Sie wurde vom Vater heftig geschlagen, wobei sie den Grund dafür nicht verstehen konnte. Der Gewaltausbruch kam für sie unerwartet und ungerechtfertigt.

Die erste Emotion, die sie benannte, war Unglauben, sie konnte nicht glauben, was da geschah. „Das kann nicht sein, ich kann nicht glauben und verstehen, was hier passiert.“ (Das ist typisch für das Schockerleben) Weiter kommen Gefühle von Lähmung und Ohnmacht, die sich in ihrem System abgespeichert hatten. Den körperlichen Schmerz hatte sie ausgeblendet. Weiter spürte sie die Ungerechtigkeit und besonders intensiv war das Gefühl der Würdelosigkeit.

In diesem Fall sind dieser Klientin vor Jahrzehnten Teile ihrer Eigenmacht, Spontanität und ihrer Würde verloren gegangen. Nach der Behandlung standen ihr diese Seelenanteile wieder zur Verfügung. Ihre Lebens-und Gefühlsqualität hatte sich deutlich verbessert.

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In einer anderen Sitzung fühlte sich eine 30-jährige Frau von ihren Kollegen sehr verletzt. Sie hatten die Frau als unzuverlässig beschimpft.

Auch sie nannte als erstes Schocksymptome: Unglauben, Unverständnis und das Nichtbegreifen der Situation. Danach kamen Gefühle von Ohnmacht und Starre, weiter Hilflosigkeit. Danach der Schmerz und die Verletzung.

Nach dem Eliminieren der Schocksymptome kam die Frau wieder zurück in die Eigenmacht, Beweglichkeit und Selbstwirksamkeit. Der quälende Schmerz der Verletzung war verschwunden. Sie erinnerte das Ereignis, jedoch ohne belastende Emotionen.

Fakt ist, wir dissoziieren öfter als gedacht. Es müssen nicht erst spektakuläre, hochdramatische Ereignisse geschehen, um diesen Mechanismus zu bedienen. Und in jedem Vorgang verlieren wir Fähigkeiten, Gefühlsqualitäten und ihre dazugehörige Kraft und Lebensenergie. Unachtsam geben wir wichtige Anteile in mehr oder weniger wichtigen Situationen ab.

  • So können Sie in einer großen, kindlichen Enttäuschung Ihr Vertrauen verloren haben. Und heute noch, viele Jahre später, fällt es Ihnen schwer, Menschen zu vertrauen, vertrauensvolle Bindungen einzugehen.
  • Oder sie hatten als Kind oder später eine schwere Erkrankung von der Sie sie zwar erholt haben, aber können seitdem Ihrer Gesundheit und Ihrem Körper nicht mehr vertrauen.
  • Vielleicht haben sich Ihre Eltern scheiden lassen und heute ist für Sie Beziehung der Knackpunkt in Ihrem Leben. Sie haben große Verlustängste entwickelt, die Sie dazu bewegen, erst gar keine Beziehung zu riskieren.
  • Sie könnten einen Unfall gehabt haben und dabei Ihr selbstverständliches Gefühl für Sicherheit in Ihrem Leben verloren haben. Sie bewegen sich seitdem im „Habachtmodus“, dauerhaft angespannt und verkrampft, weil jederzeit wieder ein Unfall passieren könnte.
  • Sie fühlen sich häufig verletzt und haben den Schmerz daraus gesammelt, in einem großen Rucksack, den Sie permanent mit sich herum tragen. Inzwischen ist es leicht Sie zu verletzen, weil Sie durch jahrelangen Schmerz geschwächt sind.

DSCN3938Mit Achtsamkeit gegen Abspaltung

Und dennoch ist es für viele Menschen unendlich schwer, für sich achtsamer durch das Leben zu gehen und die eigenen Gedanken und Gefühle anzusehen. Noch schwerer ist es, sich selbst den Schmerz, den Verlust, die Ängste und das Misstrauen gegen die Welt einzugestehen. Da kommen Erziehungsprogramme durch, die aus alten, unbewussten Zeiten stammen. Die Ihnen sagen, dass Sie weder Angst noch Schwäche zeigen dürfen. Da werden der Angsthase, die Mimose, der Schwächling und Versager aus dem Hut gezaubert. Diese Programme sind gut installiert und Sie können nicht anders, als mit großem Energieaufwand gegen Schmerz, Verletzung und Ängste zu kämpfen. Und kommen so niemals bei sich an.

Wollen Sie weiter Ihre veralteten Erziehungsprogramme bedienen oder ein zufriedenes, erfülltes Seelenleben führen, indem Sie selbst wirksam sind. Wer hat in Ihnen die Programme installiert, die verhindern, sich selbst zu mögen und gut mit sich umzugehen. War dieser Mensch glücklich, zufrieden, erfolgreich und ausgeglichen? Wahrscheinlich nicht, sonst hätte er Ihnen gelernt, selbst glücklich, zufrieden und ausgeglichen zu sein.

Die Zeit steht im Wandel, nutzen Sie die Zeit für sich. Gehen Sie achtsam mit sich selbst um, spüren Sie nach, in welchen Situationen Sie Energie verlieren. Wenden Sie sich in Wohlwollen sich selbst zu, damit bereichern Sie diese Welt. Trennen Sie sich von schwächenden Gedankenmustern, überwinden Sie die Negativmantren Ihrer Kindheit. Gehen Sie einen neuen Weg, nämlich Ihren eigenen.

Gehen Sie in Mitgefühl mit sich selbst! Trauen Sie sich Ihren Weg zu!

 

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