Transformation schlechter Gefühle

erstellt am: 23.02.2014 | Kategorie(n): ARTIKEL, Transformation schlechter Gefühle, Überprüfen Sie ...

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIn diesem Artikel möchte ich Ihnen zeigen, dass die Transformation schlechter Gefühle kein diffuser Prozess ist, der nur wenigen Eingeweihten vorbehalten ist, sondern sehr viel mit Bewusstsein zu tun hat.

Dazu liefere ich ein sehr persönliches Beispiel.

In den letzten Monaten sind in meinem Leben sehr viele Veränderungen eingetreten, darunter ein Umstand, der für mich eine echte Herausforderung ist. Seit Anfang Januar sind nun beide Töchter von zu Hause ausgezogen. Es gab keinen Streit, sie gehen ihrer Wege, eigentlich ein positiver, natürlicher Vorgang. Und dennoch leide ich, ich fühle Schmerz und Traurigkeit. Ich kann mir hundert Mal sagen, dass dies ein wichtiger Entwicklungsschritt ist: Schmerz und Traurigkeit bleiben.

Doch was nun tun?

  • Es wäre eine Leichtigkeit, mich Schmerz und Traurigkeit hinzugeben, mich täglich darin zu wälzen und in Selbstmitleid zu zerfließen. Ich könnte Gefühle von Einsamkeit fokussieren und manifestieren. In ein paar Monaten wäre ich depressiv, die Möglichkeit bestünde, aber natürlich will ich das nicht!
  • Eine weitere Möglichkeit wäre, meine Töchter täglich zehn Mal anzurufen um zu fragen, wie es Ihnen geht. Um festzustellen, dass ich ihnen damit auf die Nerven gehe und dass sie mich nicht brauchen. Als Mutter nicht gebraucht zu werden, das ist ein echter Schlag ins Gesicht! Das würde mich zusätzlich verletzen und meinen schon bestehenden Schmerz ausbauen. Hier schleicht Frustration ein.
  • Jetzt könnte ich einen Klassiker bedienen. Mütter sind Weltmeister darin, sich Sorgen zu machen. Ich könnte das große Lexikon der subtilen Verunsicherung aufschlagen:
  • Mach das nicht, das ist gefährlich! Das würde ich an deiner Stelle nicht tun! Lass das lieber, das schaffst du nicht! In der Zeitung habe ich gelesen…! Außerdem habe ich gehört….! Ich habe Angst um dich! An deiner Stelle würde ich mich fürchten! Ruf mich jeden Tag an!

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sind auch Sie bei Ihren ersten Versuchen auf eigenen Beinen zu stehen ähnlich manipuliert worden?

Es gäbe da noch eine weitere Variante, die einem Erpressungsversuch gleich kommen würde.

  • Ich könnte hilflos und depressiv durch die Gegend laufen, in bedenklichen Dosen Alkohol und Tabletten konsumieren, mich über eine zerrüttete Ehe beklagen oder insgesamt schrullig werden. Meine Töchter würden Mitleid mit mir bekommen oder einfach feststellen, dass Mutter alleine nicht zurecht kommt. Und es bestünde eine gute Chance, dass sie sich schuldig fühlen, weil sie mich „verlassen“ haben. Schuldgefühle haben großes Gewicht.

Alle aufgezählten Varianten sind altbekannt und werden täglich praktiziert. In der Regel werden diese „Möglichkeiten“ unbewusst angewandt, weil sie ein Ausdruck von eigener Angst und Unfähigkeit zur Weiterentwicklung sind. Die hier unter dem Deckmantel „ich mache mir nur Sorgen um dich“ präsentiert werden.

Die Transformation schlechter Gefühle kann nur dann stattfinden, wenn die Bereitschaft vorhanden ist, sie zu betrachten. Diese Gefühle ins Bewusstsein zu heben und zu reflektieren. Die eigenen Unzulänglichkeiten anzusehen, macht zwar keinen Spaß, bringt aber die Wahrheit ans Licht.

In meinem Fall werde ich mich keiner dieser Varianten bedienen. Weder möchte ich, dass sich meine Töchter in ihrem neuen Umfeld unsicher oder ängstlich fühlen, noch dass sie Mitleid mit mir haben oder sich Sorgen um mich machen müssen. (Hier würde sich der Spieß umdrehen). Und am wenigsten möchte ich, dass sie sich schuldig fühlen.

Es ist mir klar, dass ich Schmerz und Traurigkeit noch eine Weile spüren werden, aber nicht für lange. Meine Töchter gehen ihre eigenen Wege, da fühle ich auch Stolz und Respekt und ich erinnere mich an die Zeit, als ich so alt war. Ich hatte eine tolle Zeit und ich möchte, dass sie das auch haben. Diese Aspekte werden stärker, sie werden mit der Zeit Schmerz und Traurigkeit ersetzen. Transformation.

In schwierigen Zeiten ist es wichtig nach innen zu gehen. Nicht die Schuld im Außen oder im Schicksal suchen. Nicht im Leid zu verharren, Zeit und Energie mit Schuldzuweisungen verschwenden. Sondern Lösungen anstreben. Was ist mein nächster Schritt? Was möchte ich noch erreichen oder in Ordnung bringen?

Eine der folgenden Affirmationen könnte entlastend wirken:

Ich traue meiner Tochter ihr Leben zu./ Ich traue meinem Sohn sein Leben zu.

Und dann ist da noch die stärkste Transformationskraft: Liebe.

Aus Liebe lasse ich sie gehen.

Und im Katastrophenfall wissen sie, wo ich zu finden bin.

 

IMG_3655-001  bettina_baumann_logo

Lösungsorientiert-Energetisch-Spirituell

 

 

 

Kommentar verfassen

Wieder einmal ein bewegender Artkel von dir, der ehrlich zeigt, was passieren kann, wenn wir im Schmerz verweilen.

Die eigenen Kinder los- und gehenzulassen, ist für viele Mütter eine gewaltige Herausforderung.

Umso wichtiger ist, dass sich insb. Mütter ihrer Angst, Frustration oder Traurigkeit stellen und aktiv etwas dagegen tun.

Die Kinder wiederum nehmen eine authentische Mutter mit innerer Stärke viel eher als Rollenmodell wahr.

Es ist wirklich schwer, die „Kinder“ ziehen zu lassen. Das Leben ändert sich grundlegend. Es ist eine Herausforderung!
Dennoch kann ich in der Leere große Möglichkeiten sehen, die mir jetzt zur Verfügung stehen. Letztendlich geht es nicht
nur um die Weiterentwicklung meiner „Kinder“, sondern auch um meine. Wie will ich die freie Zeit und den freien Raum nutzen?
Was sind meine nächsten Ziele? Das sind die wichtigen Fragen, die auf Antwort warten. Natürlich werde ich auch leiden, aber
nur ein wenig!