Spirituelle Gedanken zum Tod

erstellt am: 09.10.2013 | Kategorie(n): ARTIKEL, Spirituelle Gedanken zum Tod

P1000877  ORIENTIERUNGSPROBLEME

Mit der Religionsfreiheit und dem Streben nach Autonomie jedes Einzelnen sind uns Sicherheit und Glauben abhanden gekommen. Viele Klienten beschreiben sich als nicht gläubig. Trotzdem sind kirchliche Überzeugungen in der Person noch vorhanden (unterschätzen Sie nicht die Einflüsse Ihrer Erziehung ), aber eher in Bezug auf Regeln, Gebote und Strafe. D.h., viele haben den Druck, sich an Regeln und Gebote halten zu müssen und sind auch sehr bereit, sich selbst zu strafen.

Wenn es um Tod und Sterben geht, sind die christlichen Einflüsse wenig zu spüren. Hier hängen viele Menschen in der Luft. Und die Ungewissheit vor dem, was uns alle erwartet, formt die Angst davor. Ich habe sehr viel Verständnis für Menschen, die aus der Kirche austreten oder sich einfach distanzieren. Leider wird der Spiritualität zu wenig Beachtung geschenkt. Die Frage „An was glaube ich?“ wird nicht gestellt, bekommt keinen Platz im Leben, es wird Ihr weder Zeit noch Aufmerksamkeit zugemessen. So bleibt die Frage unbeantwortet.

Mein Artikel Die Sehnsucht nach Spiritualität könnte Ihnen bei der Beantwortung der Frage behilflich sein. 

Ein Beispiel aus der Praxis

Vor einiger Zeit hatte ich eine Klientin, deren Mann unerwartet und plötzlich verstorben ist. Sie erzählte mir, dass sie vor der Beerdigung ca. 12 Stunden am offenen Sarg ihres Mannes saß. Dabei kam sie zu der Erkenntnis, dass nichts mehr von ihm da ist. Neben diesem Nichts verharrte sie die langen Stunden und versank in tiefste Verzweiflung. Sicher können Sie sich vorstellen, dass es ihr sehr schlecht ging. Jeder Todesfall erinnert die Hinterbliebenen an die eigene Sterblichkeit. Die Dame ging davon aus, dass auch von ihr eines Tages nichts bleiben würde. Ihre spirituelle Null-Gesinnung machte ihr die Trauer und das Weiterleben unerträglich.

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Was passiert nun, wenn wir sterben? Wohin gehen wir? Was erwartet mich und alle anderen Menschen?

Fakt ist, dass sich alle Weltreligionen einig sind (und das ist beachtlich!), dass die Seele des Menschen unsterblich ist. Da es sich um Religionen handelt und nicht um wissenschaftliche Tatsachen, ist hier glauben die Voraussetzung. Aber es ist dennoch einfacher an etwas zu glauben, an das Milliarden anderer Menschen auch glauben.

Informationen, die uns zumindest ein Stück weit Einblick geben können, kommen von Menschen mit Nahtoderfahrungen. Wissenschaftliche Fakten hat Elisabeth Kübler-Ross in ihrer Arbeit mit Sterbenden und Personen mit Nahtoderfahrungen zusammen getragen. Diese Menschen sprachen von einem Tunnel oder einer Spirale aus Licht, in die sie regelrecht gesogen wurden. Manche wurden am anderen Ende des Lichts von Angehörigen willkommen geheißen. Auch haben sie den Tod nicht abrupt empfunden, sie dachten und fühlten zunächst, als wären sie noch am Leben.

In Kulturen, die bis heute noch Rituale für Sterben und Seelenwanderung praktizieren, wird ebenfalls von dem Licht, dem Aufsteigen der Seele gesprochen. In Tibet, Südamerika oder bei indianischen Stämmen wird der Sterbende nach wie vor vom Medizinmann/Lama begleitet. Er hilft der Seele, gelöst vom irdischen Körper, den richtigen Weg zu finden.

In der Reinkarnationstherapie geht man davon aus, dass Leben parallel nebeneinander stattfinden. Reinkarnationstherapie wird oft falsch verstanden. Es ist nicht maßgeblich, ob man ein bestimmtes, früheres Leben findet und damit den Auslöser für seelische oder körperliche Probleme. Die Rückführung in andere Leben hat das Erkennen des Betroffenen seiner Problematik zum Ziel. Man geht davon aus, dass Zeit keine simple Gerade ist, sondern eine Dimension. Die Vorstellung ist für uns alle schwer, da wir in unserem Bewusstsein stark an die lineare Zeit gebunden sind. Legt man diese Annahme zugrunde, gibt es den Tod nicht. Eher ein Übertreten.

Wie die Eule, die allein den Blick der Nacht durchdringt (Gibran), können wir das Danach nicht erkennen. 
Den Schleier nicht heben. Die Dimension, die sich nach dem Tod eröffnet, nicht erfassen.

Erinnern Sie sich heute

Erinnern Sie sich der Existenz Ihrer Seele – und nicht erst im hohen Alter. Wenn Sie öfters mal nach innen horchen oder spüren, werden Sie viel Wahrheit finden und dem Tod als natürliches Ende des Lebens mehr Frieden abgewinnen können.

Simone de Beauvoir schrieb ein kleines Buch über die letzten Monate ihrer Mutter. Sie schrieb:“Meine Mutter brannte vor Neugier auf das, was sie danach erwartete.“ 

 

 

Vorstellungen zum Tod, die dem Leben dienen

Der Tod nicht als Ende, sondern als Übergang in eine andere Ebene. Die Vorstellung kreiert in sich neue Vorstellungen:

Das Eintreten in die Reihe der Ahnen. Den für sie bestimmten Platz einnehmen. 

Zur Erinnerung der Hinterbliebenen werden. Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben? Leben Sie das, was Sie erinnern wollen!

Mir persönlich wäre es lieber, als komischer Kauz erinnert zu werden, als eine Frau, die Leben und Tod gleichermaßen fürchtete. Leben und Tod sind keine wirklichen Gegensätze, sie gehen ineinander über. Jede Nacht, in der wir uns ins Bett legen und einschlafen, verlassen wir unseren Bewusstseinszustand. Wer weiß, wo Sie schon überall waren! Auch hier geschieht ein Übergang.

 

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