Never show a monster in the daylight

erstellt am: 18.06.2013 | Kategorie(n): ARTIKEL

„Never show a monster in the daylight“

Und was hat das mit Ihrer Angst zu tun?

Diesen Ausspruch hat der bekannte Regisseur und Produzent Steven Spielberg getan. Er sprach dabei von den Monstern in seinen Filmen. Natürlich ist Steven Spielberg ein Profi seines Fachs. Er weiß nur zu genau, dass er seine Filme über Emotionen verkauft. Und neben Liebe ist die Angst eine der stärksten Emotionen. Um Angst und Grusel zu erzeugen, hat Spielberg neben der Handlung weitere wichtige Hilfsmittel: Bild und Ton. Und weil der Mann ein Profi ist, kennt er alle Tricks um Angst aufzubauen.

Angsterzeuger Nr. 1: Die freie Assoziation 

Lange wird das Monster (oder Bedrohung) gar nicht gezeigt, nur ein Schatten oder ein Geräusch (begleitet von unheilvoller Musik). Hier beginnt der Zuschauer zu assozieren, lässt im Kopf ein schreckliches Bild entstehen, bevor es überhaupt ein Bild gibt. Bereits an dieser Stelle schießt der Gruselfaktor hoch. Eine Bedrohung in Aussicht zu stellen ohne sie zu zeigen, ist ein sicheres Stilmittel für einen Gruselfilm. Der Zuschauer wird in seine eigenen Bilder geschickt und greift das Schlimmste, dass seine Phantasie in der Lage ist, zu produzieren. Er nimmt genau das, das ihn (und nicht andere) am meisten erschreckt.

Angsterzeuger Position

Tritt dann das Monster in persona in den Film müssen viele Dinge stimmen. Die Umgebung, die Kameraeinstellung. Ganz klar, es wird der Winkel, die Position gewählt, in der das Monster besonders gruselig aussieht. Zunächst  keine Nahaufnahme, die würde schon zu viel verraten und würde den Spannungsaufbau abflachen. Der Zuschauer soll und will sich ja fürchten. Deshalb wird das Monster noch auf Distanz und der Gruselfaktor hoch gehalten.

Angsterzeuger Licht

Und da ist noch das Licht. Die Beleuchtung in Film-und Theaterproduktion ist eine Wissenschaft für sich. Sicher beschäftigt Spielberg für seine Filme nur Meister ihres Fachs. Die beleuchten das Monster so, wie es der Zuschauer in dieser Szene sehen soll. Schemenhaft, umrissen, ein heller Punkt in einer sonst finsteren Nacht. Nur die Augen eines Gesichts, nur die Klaue eines Körpers. Den Rest darf sich der Zuschauer wieder selbst vorstellen. Und die Vorstellung ist unbegrenzt.

Angsterzeuger Maske

Rückt im Laufe des Films das Monster und seine Körperlichkeit näher, ist die Maske, Kostüm etc. wichtig. Inzwischen werden schon Oscars für die Maske verliehen. Schauspieler verbringen Stunden vor dem Dreh in der Maske um verwandelt zu werden. Die Verwandlung in das Monster, vor dem sich der Zuschauer auch noch fürchtet, wenn die Beleuchtung einen besseren Blick gewährt.

Sie sehen, hier wird ein ungeheurer Aufwand an Zeit und finanziellen Mitteln betrieben. Um Angst zu erzeugen!

Drehen wir den Vorgang um!

Auch wenn es so aussieht, ich bin nicht in die Filmbranche gegangen. Ich habe die bewusste Angsterzeugung in Filmen als Beispiel benutzt, um es umzudrehen, einfach auf den Kopf zu stellen. Und zwar zu dem Zweck, Ihnen eine weitere Möglichkeit anzubieten, Ihre Ängste abzuschwächen.

Ängste fühlen sich sch…schlecht an, deshalb mag sie kein Mensch spüren. So wird verdrängt, projeziert und vor allem vermieden. Und in jeder Vermeidung wird die Angst verstärkt. Jedes Wegsehen verstärkt. Der bewusste Blick und die Akzeptanz der Angst sind Voraussetzung für den Abbau der Angst.

Sie können sich dazu der Stilmittel von Meister Spielberg bedienen, nur andersherum.

Steigen Sie aus der freien Assoziation von irrationalen und selbst schädigenden Gedanken aus, indem Sie den Blick Ihrer Angst zuwenden. Raus aus dem Phantasieren, was da ist oder sein könnte.

Stellen Sie Ihr Monster mitten in das Bild, nicht hinter die Ecke oder den Vorhang (wo es lauern könnte). Nein, konkret in die Mitte Ihrer Aufmerksamkeit.

Schalten Sie das Licht ein, ein Flutlicht, heller als der lichte Tag. Kein Schatten, kein Nebel, keine Undeutlichkeiten (kein Assoziieren), keine Tricks!

Nehmen Sie Ihrem persönlichen Monster die Maske ab! Die Perücke, die falschen Zähne. Ziehen Sie Ihm das Kostüm aus, schnallen Sie die Klaue ab und wischen ihm noch die Schminke aus dem Gesicht.

Was sehen Sie jetzt? Ein demaskiertes Monster im Tageslicht. Vielleicht eine überraschende Figur? Vielleicht sogar eine klägliche Gestalt? Es könnte sogar passieren, dass Sie Mitgefühl für die Gestalt empfinden, die Sie seit Jahren für ein Monster hielten! In der mitfühlenden Empfindung, letztendlich für Sie selbst, steht eine große Kraft. Mitgefühl und Angst sind zwei Gefühle, die gleichzeitig nicht existieren können.

 

 

 

 

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