Beziehungskonflikt

erstellt am: 07.03.2013 | Kategorie(n): ARTIKEL, Beziehungskonflikt-Single-Dasein

Nie hat es so viele Singles gegeben wie heute. Und nie so viele Partnervermittlungsagenturen. Gedanklich passt das nicht zusammen! Alleinstehend, getrennt, geschieden und solche, die sich nie „getraut“ haben und das unter beiden Geschlechtern und in jeder Altersklasse. Nun kann ich gut verstehen, wenn ein Mensch in einer Phase seines Lebens entscheidet, dass er für Partnerschaft nicht geschaffen ist und willentlich alleine bleibt. Aber das sind die wenigsten.

Der Großteil der Singles ist auf Partnersuche, manchmal ist es ihnen gar nicht bewusst. Unbewusst durchkämmen sie die bekannten Jagdgründe wie Kneipen, Clubs, Diskotheken, Veranstaltungen jeder Art und fühlen sich seltsam leer, wenn sie ohne Beute nach Hause kommen. Diese ziellosen Jäger ziehen los mit Gedanken wie:“Ich will ja keinen Partner, höchstens für diese Nacht.“ Und da Jagdwild einen hoch entwickelten Geruchssinn besitzt, findet sich auch kein Partner/in. Und was ist mit dieser Leere, dieses unangenehme Gefühl, dass sich wieder und wieder einstellt?

Andere gehen nach gescheiterten Beziehungen oder schmerzhaften Scheidungen mit aufgestellten Ellbogen durchs Leben und signalisieren:“Bleibt mir bloß alle vom Leib!“ Und dennoch bleibt eine Leere, ein Loch, das mit Ersatzhandlungen gestopft wird und stets neu aufreißt.

Sigmund Freud nennt diesen Zustand einen Konflikt. Konflikt und Problem sind nicht das gleiche. Im Konflikt steht der Mensch emotional und gedanklich auf zwei verschiedenen Seiten, in zwei Extremen. Im Beziehungskonflikt könnte sich das so darstellen:

X—x—————————————-X——————————————-x—X

Angst vor Nähe                          kann in Beziehung gehen                     Wunsch nach Beziehung

Die beiden Extreme habe ich „Angst vor Nähe“ und „Wunsch nach Beziehung“ genannt. Zwei gegensätzliche Positionen. Wer Angst vor Nähe hat, kann nicht in Beziehung gehen. Die goldene Mitte stellt die Möglichkeit der Beziehung dar, unter bestimmten Bedingungen. Die roten stellen die eventuelle Position eines Menschen dar, der von einem Beziehungsproblem betroffen ist. Diese Positionen können individuell schwanken. Die Auflösung dieses Konflikts wäre, wenn sich die roten x auf der Geraden in der Mitte annähern oder gar treffen würden. Dann wäre die Person beziehungsfähig, wenn die Bedingungen der Beziehung stimmig wären.

Zur Entstehung von Beziehungskonflikten können wir ganz unten in die Kiste greifen. Eine Möglichkeit wäre, die elterliche Beziehung, die kein positives Vorbild liefert. Ein dominanter Teil, unter dem der schwächere Elternteil sehr gelitten hat, macht Beziehung nicht attraktiv. Eine überforderte, ungeduldige Mutter und ein abwesender (körperlich und/oder mental/emotional) Vater machen keine Lust auf Langzeitbeziehung. Ein eisiges, gefühlskaltes, wortkarges Vorbild vermittelt dem Kind keine Beziehungsqualtität und keine Möglichkeit des Erlernens von Beziehung. Und natürlich selbst gemachte, schlechte Erfahrungen mit Beziehung. Sehr sensiblen Menschen reicht oft schon eine schlechte Erfahrung aus um sich aus dem Partnermarkt zu ziehen, andere machen die gleiche, schlechte Erfahrung immer wieder.

Es gibt noch einen weiteren Gedankenansatz, der zu dem Thema beschrieben wird. Es ist ganz klar, eine kollektive Angst des Menschen ist, alleine zu sein. Jeder möchte Beziehung, jeder möchte einer Gemeinschaft (z.B. Familie) angehören, jeder möchte akzeptiert und angenommen sein. Das ist auf unserer Festplatte gespeichert. Jedoch ist die Individualität eines Menschen innerhalb einer Gemeinschaft „bedroht“. Die Individualität ist ein wichtiger Aspekt unserer Zeit. Viele Menschen haben in Gemeinschaft oder konkret in Beziehung das Gefühl, sich selbst ganz oder teilweise zu verlieren. Sie lösen und vermeiden Beziehungen, weil sie ihr Selbst, ihre Existenz in Gefahr sehen. Und gleichzeitig das Bedürfnis nach Beziehung spüren.

Das ist eine schwierige und vertrackte Situation. Der erste Schritt zur Lösung ist immer der gleiche. Wenn Sie einen Beziehungskonflikt haben, machen Sie ihn sich bewusst. Ja, ich stehe auf zwei grundsätzlich verschiedenen Positionen, das ist so und ich sehe nicht weg, sondern hin. Ihr Zugeständnis und Mitgefühl für sich selbst hilft Ihnen den nächsten Schritt zu tun. Bin ich bereit, daran zu arbeiten? Bin ich bereit, mir diese Widersprüchlichkeit einzugestehen? Jeder Mensch trägt Widersprüchlichkeiten in sich, das ist normal. Wie will ich damit umgehen? Welche Signale will ich der Beute auf meinem nächsten Jagdgang senden? Und diesmal bewusst! Das ist weniger verwirrend für Sie. Beobachten Sie das diffuse Gefühl der Leere. Verändert es sich?

Sollten Sie sich derzeit mit dem Gedanken tragen, in Beziehung zu gehen, überlegen Sie, unter welchen Bedingungen Sie das tun können. Wenn Sie überzeugt sind, dass Sie sich dafür selbst aufgeben müssen, ist das ein denkbar schlechter Beginn. Beziehung bedeutet Geben und Nehmen. Jeder gibt, jeder nimmt. Gleichberechtigte Partner, die entscheiden und bestimmen. Solange Sie in der Beziehung mit entscheiden und mitbestimmen, kann von Selbstaufgabe nicht die Rede sein. Eine Beziehung, in der jeder einen Freiraum hat, in dem es möglich ist, einem Hobby nachzugehen oder sich mit Freunden zu treffen, verlangt ebenso keine Selbstaufgabe. Wann und wo konkret ist Ihr Selbst eingeschränkt, gibt es eine Lösung?

Ich empfehle gerne einen Zettel. Schreiben Sie Ihre Knackpunkte auf, machen Sie eine nummerierte Liste. Unsere Gedanken sind sehr flüchtig. Einmal aufs Papier gebracht, kann dieser Gedanke nicht mehr flüchten. Wenn Sie eine Freundin oder Freund haben, dem Sie vertrauen und der vielleicht weniger Probleme auf dem Gebiet hat (bitte nicht den Stadtneurotiker als Berater nehmen!), sprechen Sie doch mal Ihre Punkte durch.

Falls der Konflikt Ihre Lebensführung und Ihre Stimmung stark beeinträchtigen, denken Sie über professionelle Hilfe nach. Unter der Kategorie Affirmationen A-Z finden Sie passende Sätze, vielleicht ist die richtige Affirmation für Sie dabei.

  

 

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