Was haben Sie über Freude gelernt?

erstellt am: 09.01.2013 | Kategorie(n): ARTIKEL, Überprüfen Sie ...

P1020316-001Wie wurde in Ihrem Elternhaus mit Freude umgegangen? Durften Sie sich freuen? War Freude möglich? Waren Sie von Menschen umgeben, die sich freuen konnten? Das Thema Freude ist für viele Menschen schwierig. In manchen Familien wird Schadenfreude regelrecht kultiviert. Es ist keine Kunst über die Unwissenheit eines Kindes zu lachen. Und es ist qualitativ ein großer Unterschied, ob Sie über jemanden lachen oder gemeinsam lachen. In Alltagssituationen stelle ich häufig fest, dass Menschen, die in schlechter Stimmung leben, herzhaft und ausgiebig über den Schaden anderer lachen können und gleichzeitig die Freude eines Menschen kaum ertragen können. Hier formiert sich Klatsch und Tratsch, sei es im Treppenhaus, an der Supermarktkasse oder im Großraumbüro. Hier ist keine Spur von Mitgefühl oder sozialem Verhalten vorhanden. Schadenfreude ist keine echte Freude, sie gleicht nur für einen kurzen Moment die eigenen schlechten Befindlichkeiten aus und stellt uns über die Person, die gerade Schaden erlitten hat.

Wer in einer sehr religiösen Familie aufgewachsen ist, hat vielleicht oft erlebt, dass Lachen und Freude als sündhaft bezeichnet wurden. Dinge über die man sich freuen darf wurden stark festgelegt. Im Christentum wird der Aspekt der Nächstenliebe sehr hervorgehoben. Freude ist, anderen eine Freude zu machen! Was aber, wenn nach diesen Vorgaben die eigene Freude nie eintrifft? „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst.“ Der erste Teil vor dem Komma wurde uns im Religionsunterricht ausführlich und mit gehobenen Zeigefinger nahe gebracht. Aber was ist mit dem zweiten Teil des Satzes? Da hat jemand vergessen, den zu erklären! Der zweite Teil des Satzes ist die Bedingung des ersten. Nur wenn ich mich selbst liebe, bin ich in der Lage auch andere zu lieben. Wenn ich tagaus tagein nur andere liebe und alles für sie tue, ist ohne Selbstliebe irgendwann die Batterie leer. Im Mitgefühl für sich selbst finden Sie Freude und Mitgefühl für andere.

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Jetzt möchte ich Ihnen ein persönliches Beispiel geben, das Ihnen zeigt, wie machtvoll Vorgaben aus kindlichen Zeiten sein können. Ich wurde von meiner Großmutter aufgezogen. Sie war 1900 geboren und wie es oft ist, sehr christlich und gleichzeitig sehr abergläubisch. In ihrem Repertoire gab es unzählige Sprüche, Redewendungen und Bauernweisheiten. Einer davon war:“Wer am Freitag lacht und am Samstag singt, weint am Sonntag ganz bestimmt.“ Viele Jahre meines Lebens, habe ich mich kaum getraut am Freitag zu lachen oder am Samstag zu singen. Der Satz wirkte, wie ein Zauberspruch und war sehr tief in mir verwurzelt. Ich glaube, ich war 25 Jahre alt, als ich diese Weisheit endgültig aussortieren konnte. Meine Großmutter war keine böse Hexe, ich bin sicher, sie hat es gut mit mir gemeint und dachte, dass sie mich so vor Schmerz beschützen kann. Heute, so viele Jahre später, frage ich mich, wie man einem kleinen Kind so einen Unfug erzählen kann. Vielleicht finden Sie in sich auch mehrere „gut gemeinte“ und dennoch sehr dysfunktionale Sprüche und Ratschläge.

Und Vorsicht! Die, die sich reimen sind die schlimmsten. Weil-(noch ein solcher Spruch) was sich reimt, das stimmt! Und gehen Sie auch diesem Spruch nicht auf den Leim, denn man kann größten Unfug reimen:

Lieg ich auf der Matratze, sitzt auf dem Dach die Katze.

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