Das Mysterium „Gefühle“

erstellt am: 16.01.2013 | Kategorie(n): ARTIKEL, Das Mysterium Gefühle

P1010447Über Gefühle zu sprechen ist in unserer Kultur fast ein Tabu. Gefühle zu zeigen wird als Schwäche ausgelegt. Tränen zu zeigen gleicht der Überschreitung gesellschaftlicher Grenzen, vor allem Männern, die weinen, wird die Männlichkeit abgesprochen. Oft schon als Kind werden wir genötigt unsere Gefühle, falls vorhanden, zu unterdrücken. Kinder, die sich weigern, laufen Gefahr sich heftige Diagnosen einzuhandeln. Getrennt von unseren Gefühlen gehen wir durch das Leben und so glauben wir auch der Werbung, die uns deutlich sagt, was wir kaufen oder konsumieren müssen, um uns gut zu fühlen.

Aber warum fühlen wir uns oft schlecht?

Hätten wir keine Gefühle, könnten wir uns nicht schlecht fühlen.

Wir sind gefühlvolle Wesen! Dies zu entdecken, ist der erste Schritt. Ihre Gefühlslage ist ständig in Bewegung, Sie reagieren auf Ihre Umwelt und auf Ihre eigenen Gedanken. Wären Ihre Gefühle statisch, immer exakt gleich, würden Sie sich leblos fühlen. Selbst ein euphorischer Glückszustand, der tagelang anhält, wäre unerträglich. Ihre Gefühle verleihen Ihnen Lebendigkeit und Schwingungsfähigkeit. Der Mensch besitzt ein ungeheures Spektrum an Gefühlsqualitäten, hier nur einige davon:

niedergeschlagen, enttäuscht, frustriert, hoffnungslos, traurig, kraftlos, verstimmt, verzweifelt, verbittert, gefühllos,

wütend, ärgerlich, rasend, zornig, hasserfüllt, ungeduldig, sehnsüchtig, unruhig, angespannt, verkrampft, hektisch, fahrig,

würdelos, ohnmächtig, alleine, verlassen, übersehen, entwürdigt, gedemütigt, leidend, beschämt,

leicht, freudig, hoffnungsvoll, geduldig, fröhlich, albern, lustig, angenommen, akzeptiert, geliebt, liebend, vertraut, verbunden, geborgen, sicher, versorgt, warm, herzlich, offen, eingebunden.

Auch wenn Sie es mir nicht glauben, haben Sie all diese Qualitäten irgendwann gefühlt. Und sei es nur für einen kurzen Moment. Und sicher hatte das Gefühl in diesem Moment seine Berechtigung.

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Der zweite Schritt wäre, sich des gerade herrschenden Gefühls bewusst werden. Fragen Sie sich doch öfters am Tag:„Wie geht es mir gerade in diesem Moment?“ Spüren und lauschen Sie in sich und Sie werden Antwort bekommen. Viele Menschen fürchten sich vor dem, was sie dort entdecken könnten. Ihr Gefühl ist Bestandteil Ihrer Persönlichkeit, Sie müssen sich nicht vor sich selbst ängstigen.  Falls Sie „Traurigkeit“ in sich finden, nehmen Sie diese Traurigkeit wahr. In der Akzeptanz der Traurigkeit liegt die Möglichkeit der Auflösung. Sie könnten z.B. sagen:“Obwohl ich traurig bin, mag ich mich oder bin ich völlig ok.“ Bitte beschimpfen Sie sich nicht selbst für ein negatives Gefühl, das würde es nur verstärken.

Falls Sie ein freudiges Gefühl finden, würdigen Sie dieses Gefühl. Wir sind nur zu sehr dazu verführt, den schlechten Dingen in unserem Leben unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken und die schönen Dinge schnell zu vergessen. Freuen Sie sich doch mal wie ein Kind. Ausgelassen und albern. Haben Sie eine Hürde genommen, ein Ziel erreicht, sich mit einem unangenehmen Gespräch konfrontiert? Dann loben Sie sich doch mal ausgiebig:“Ich bin gut. Ich bin erfolgreich. Ich bin stark.“ Wiederholen Sie die Sätze mehrmals bis sie den Weg in Ihr Gefühl finden. Ein gutes Gefühl, ein erfolgreiches und ein starkes Gefühl.

Falls Sie mit dem Satz „Eigenlob stinkt“ erzogen wurden, dürfen Sie diesen heute endgültig und ersatzlos streichen.

4.2 Der KaiserIm Therapieprozess zeigt sich immer wieder, dass eine gedankliche Veränderung alleine den Erfolg nicht bringt. Die Veränderung im Gefühl des Klienten bringt den Therapieerfolg. Für viele Klienten ist es in der Therapie das erste Mal, sich mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Wahrzunehmen, was stets da war und auf Beachtung gewartet hat.

Jedes Ihrer Gefühle hat eine Existenzberechtigung und einen Grund gerade jetzt da zu sein. Es wartet darauf, dass Sie es wahrnehmen und würdigen. Jedes ehrliche, offenen Lachen aus Ihrem Mund, jede Träne, die Sie aus Mitgefühl für sich selbst oder jemand anderen weinen ist wertvoll. Und bereichert Ihr Wesen und Ihre Lebendigkeit. Die penetrante Glücklichkeit über 24 Stunden aus den Medien ist weder realistisch noch erstrebenswert.

Loten Sie Ihr persönliches Gefühlsspektrum aus und seien Sie lebendig. In welchen Bewegungen fühlen Sie sich gut, aktiv und in Ihrer Kraft? Und falls Sie das nächste Mal ärgerlich sind, dann ärgern Sie sich doch! Schauen Sie auf die Uhr und beschließen z.B.:“Ich ärgere mich jetzt genau 10 Minuten über diese Sache und dann mache ich etwas anderes.“

Wir alle brauchen dringend unsere Gefühle und auch Gefühlsreaktionen von außen. Welche Filme sind sehr erfolgreich? Natürlich Filme, die intensive Gefühle vermitteln. (Leider gelten hier auch Hassgefühle und Aggressionen) Vielleicht vermittelt Ihnen Ihr Lieblingsbuch ein ganz bestimmtes Gefühl. Welche Gefühle löst Ihre Lieblingsmusik bei Ihnen aus? Gerade das, das unsere Gesellschaft verleugnen, bewegt uns Tag für Tag in allen Lebensbereichen.

Um Ihnen Hilfestellung zu geben, mit Ihren Gefühlen in Kontakt zu kommen oder bewusst mit ihnen umzugehen, habe ich in der Kategorie Affirmationen A-Z einige Affirmationen zu dem Thema eingestellt.

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