Neuroplastizität

erstellt am: 06.11.2012 | Kategorie(n): ARTIKEL, Neuroplastizität

Wenn es um die neuesten Erkenntnisse der Gehirnforschung geht, ist Neuroplastizität das Schlagwort unserer Zeit. Neuroplastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns in jedem Alter neue Zellen zu bilden und Verbindungen (Synapsen) zu knüpfen. Der Wissensstand über das Gehirn aus dem letzten Jahrhundert entsprach dem Verständnis des Maschinenbauzeitalters:

Einzelne Teile werden zusammengebaut, wenn alles, stimmt funktioniert die Maschine, wenn es nicht stimmt, ist die Maschine kaputt und muss repariert werden, dann läuft die Maschine und irgendwann ist sie nicht mehr reparabel.

Durch hochmoderne bildgebende Verfahren wurde in den letzten zehn Jahren ein ganz neues Wissen erkannt. Das Gehirn ist in der Lage, die einfließenden Sinneseindrücke (sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen) an individuell verschiedenen Orten zu verarbeiten. Wenn es an einer Stelle nicht funktioniert, ist die Maschine somit nicht kaputt. Der Fakt, dass nicht jedes Gehirn gleich arbeitet, macht den einzelnen Menschen zum Individuum.

Auch wurde klar, dass wir eine Vielzahl von genetischen Anlagen in uns tragen, von denen wir manche ausprägen und andere nicht. Der Umstand, dass nicht die genetische Anlage dafür verantwortlich ist, sondern das, was wir erlernt haben, gibt uns die Möglichkeit unser Denken, Fühlen und Handeln zu verändern. Wenn Sie sagen:“Diese Macke habe ich von meinem Vater geerbt.“, wäre die richtige Aussage:“Die Macke habe ich von meinem Vater gelernt.“ Und mit der entsprechenden Motivation können Sie jederzeit diese Macke „verlernen“. Unser Gehirn nutzt die Verbindungen, die vorhanden sind. Setzen Sie neue Impulse, wird es neue Verbindungen knüpfen und Ihnen neue Verhaltensweisen zur Verfügung stellen.

Prof. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Gehirnforscher und hat zu diesen Themen viele gute Bücher geschrieben, einige Vorträge können Sie bei Youtube ansehen. Er erklärt diese Bildung von neuen Synapsen u.a. mit der Funktion des dopaminergen Systems. Dopamin ist einer der wichtigsten Botenstoffe in unserem Gehirn. Dieses System feuert dann, wenn wir etwas mit Begeisterung und Freude tun. Unsere Gefühle steuern die Vorgänge in unserem Gehirn!

D.h., wenn Sie Begeisterungsfähigkeit halten können, sich immer wieder auf Neues einlassen, sich herausfordern und bereit sind zu lernen, stellt Ihnen Ihr Gehirn alle Möglichkeiten zur Verfügung. Und Sie beugen degenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer vor. Dank der Neuroplastizität dieser wundervollen „Maschine“.

  

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