Werden Sie sich der Einflüsse Ihrer Kindheit bewusst

erstellt am: 30.10.2012 | Kategorie(n): ARTIKEL, Überprüfen Sie ...

Viele Menschen leben so, als wäre ihre Kindheit vorbei und vergessen. Das ist eine Illusion.

In der Regel ist es so, dass kaum Erinnerungen an die Zeit vor dem 6. Lebensjahr abgerufen werden können. In dieser Zeit sind Einflüsse ungefiltert und kritiklos in Sie eingeflossen. In seiner Individualpsychologie ging Alfred Adler davon aus, dass der Mensch bereits mit 6 Jahren seinen Lebenplan erstellt hat.

Der Lebensplan umfasst Wünsche und Ziele und vor allem die Art und Weise diese zu erreichen. Mit wieviel Selbstbewusstsein das Kind die Ziele setzt, welche Werkzeuge es besitzt um das Gewünschte umzusetzen und vorallem Probleme zu beseitigen, die sich dem Ziel in den Weg stellen, werden sehr früh geprägt. Werkzeuge sind in diesem Fall nichts anderes als Problembewältigungsstrategien.

Ein 3-jähriges Kind ist aufgrund von Mangel an Lebenserfahrung nicht in der Lage eigene Problemlösungen zu schaffen. Es erlernt zunächst durch Nachahmung. Es ahmt die Verhaltensweisen seines sozialen Umfeldes nach. Das sind in erster Linie Mutter und Vater oder vielleicht auch Großeltern, die mit im Familienverbund leben. Das ist normale Entwicklung. Solange diese Vorbilder lebensbejahend und lebenstauglich agieren, ist die Entwicklung positiv. Natürlich geht es hier nicht um Perfektionismus, nobody is perfect!

Sind dagegen die Vorbilder selbst mit der Lebensführung in verschiedenen Bereichen überfordert, kann das Kind keine positiven Strategien erlernen. Werden Konflikte innerhalb der Familie unterdrückt, nicht ausgesprochen und geklärt oder mündet jede Auseinandersetzung in eisigem Schweigen, kann das Kind die Fähigkeit Probleme verbal auszudrücken und damit zu lösen, nicht erlernen.

Werden in der Familie Konflikte mit Gewalt gelöst, besteht die Gefahr, dass auch das Kind diese Problemlösungsvariante übernimmt. Entweder als Täter oder als Opfer.

Wird das Kind von einem oder mehreren ängstlichen Vorbildern erzogen:“Pass auf! Sei vorsichtig! Tu dies oder das nicht! Lauf nicht so schnell! Sonst tust du dir schrecklich weh!“, ist die Entwicklung und das Streben nach Eigenständigkeit gehemmt. Das Kind erlernt, dass Aktivität gefährlich und die Welt um uns herum bedrohlich ist. Auch hier entstehen einschränkende Gedanken-und Verhaltensmuster. Nicht selten entwickelt sich daraus eine Angststörung.

Die Möglichkeiten zur Entstehung von einschränkenden Verhaltensweisen sind vielfältig und immer individuell.

Nur was tun, wenn Sie selbst Einschränkungen, Ängste, schlechte Gefühle verschiedener Art an sich feststellen?

Sie können sich fragen, wen ahme ich nach? Wo denke, fühle oder reagiere ich wie mein Vater, Mutter oder Oma und Opa?

Was habe ich da übernommen? Passt das zu mir oder fühlt es sich fremd an? Gehört dieses Gefühl oder diese Angst wirklich mir? Oder habe ich das unbewusst, aus kindlicher Liebe (damals hatten Sie keine andere Wahl) übernommen?

Erwachsen zu werden bedeutet, aus dem kindlichen Blick auf die „Vorbilder“, einen erwachsenen Blick zu machen. Und dazu ist es nie zu spät. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich möchte Ihre Eltern/Großeltern nicht schlecht reden, auch Sie haben ihre Überzeugungen erlernt und entwickelt und haben zum Zeitpunkt Ihrer Erziehung nach ihren Möglichkeiten gehandelt. Was für Sie aber nicht heißt, Negatives übernehmen zu müssen und für immer zu behalten.

Ihre „Vorbilder“ entstammen einer anderen Generation, sind in der Regel 25 Jahre älter (Großeltern 50 Jahre älter), die Überzeugungen aus dieser Zeit stimmen mit unserer heutigen nicht mehr überein. Unsere Welt ist extrem schnelllebig, was vor 20 Jahren wichtig war, interessiert heute niemanden mehr. Heute gibt es Berufe, die es vor 20 Jahren nicht gegeben hat. Es gab noch keinen Euro. Werte und Wichtigkeiten haben sich gewandelt.

Zudem waren Ihre Eltern/Großeltern die Kinder ganz anderer Personen und haben deren Überzeugungen erlernt. Dinge, die mit Ihnen heute nichts zu tun haben. Vielleicht haben Sie an einem anderen Ort gelebt oder haben sogar noch Krieg erlebt.

Gehen Sie in eine gesunde Distanz zu Ihren Einflüssen. Was Sie nicht daran hindern soll, Ihre „Vorbilder“ zu lieben und dankbar zu sein für das, was sie Gutes für Sie getan haben.

Den Redewendungen wie:“Das ist genetisch.“, „Da bin ich wie mein Vater/Mutter.“ widerspricht die neueste Gehirnforschung. Sie besagt, dass unsere genetische Anlage weniger wichtig ist, als bisher angenommen. In uns sind viele Möglichkeiten angelegt, ob sie jemals durchbrechen, entscheidet unsere Lebensführung. Das, was wir erlernt haben bekommt hier Vorrang vor unseren Genen! Siehe Artikel Neuroplastizität!

 Bringen Sie Ihre Seele auf den neuesten Stand!

  

 

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